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Unterirdische Mühlen auf Malta

Unterirdische Mühlen für eine vom Krieg traumatisierte Insel

In den 1950er Jahren befindet sich Malta nach den massiven Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs noch im Wiederaufbau. Die Erinnerung an die Belagerung von 1940-1942, an Hunger und Bombardierungen bleibt im kollektiven Gedächtnis der Insel lebendig. Die Priorität liegt nicht mehr nur auf dem Wiederaufbau, sondern auch auf der Vorbereitung auf die nächste Bedrohung.

Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der wachsenden Angst vor einem Atomkonflikt entwerfen die britischen Behörden – die Malta immer noch verwalten – ein Zivilschutzkonzept, das sich auf ein wesentliches Element konzentriert: das Brot. Die Idee ist ebenso einfach wie radikal: Selbst wenn die Häfen, Flugplätze und die Infrastruktur an der Oberfläche zerstört werden, muss die Bevölkerung weiterhin mit Mehl und Brot versorgt werden können.

Ein Netzwerk von acht unterirdischen Getreidemühlen

Zwischen 1954 und 1955 ordnete das britische Kolonialamt den Bau – oder vielmehr das Ausheben – eines Netzwerks von acht unterirdischen Getreidemühlen an. Sieben befinden sich auf der Hauptinsel Malta und eine auf Gozo. Sie bilden ein echtes Netz zur Ernährungssicherung, das für den Katastrophenfall konzipiert wurde.

Diese Mühlen wurden in damals ländlichen Gebieten, aber in der Nähe der wichtigsten Ballungsräume errichtet, um sowohl diskret als auch leicht zugänglich zu sein. Sie blieben ausreichend weit von den als Hauptziele eingestuften Gebieten entfernt: dem Grand Harbour sowie den Flugplätzen von Luqa und Ta‘ Qali. Das Ziel war klar: geschützte Anlagen zu haben, die auch dann weiterlaufen können, wenn das Hafengebiet oder die militärische Infrastruktur getroffen werden.

Eine auf eine Atomexplosion ausgerichtete Orientierung

Die Sorgfalt bei der Platzierung der Mühlen zeigt sich bis in die Ausrichtung ihrer Eingänge. Diese sind nach Norden ausgerichtet, um die Auswirkungen einer nuklearen Explosion zu minimieren, die den Süden der Insel im Bereich des Grand Harbour und der strategischen Anlagen treffen würde. Hier geht es nicht mehr nur um Tarnung, sondern um den Schutz vor der Druckwelle und den direkten Auswirkungen einer Detonation.

Diese unterirdischen Mühlen sind daher keine bloßen „Reserven“ für Kriegszeiten, sondern echte industrielle Notfallanlagen, die so dimensioniert sind, dass sie im Falle einer Zerstörung der Oberflächeninfrastruktur einspringen können.

Eine Bedrohung, die sich nie bewahrheiten sollte

Die unterirdischen Mühlen von Malta sind das direkte Produkt der nuklearen Angst und der traumatischen Erfahrung der Belagerung in den 1940er Jahren. Sie verkörpern eine Überlebensstrategie, die auf verborgener Infrastruktur und der Vorbereitung auf das Unvorstellbare basiert. Auch wenn die befürchtete Katastrophe nie eintrat, bleiben diese Anlagen ein konkretes Zeugnis einer Epoche, in der man sich in den Fels grub, um eine Chance zu haben, „wie zuvor“ weiterzuleben.

Heute stellen diese unterirdischen Mühlen ein diskretes Erbe dar, an der Schnittstelle von Militärgeschichte, Zivilschutz und unterirdischer Architektur.

Funktionsprinzip

Der Weizen wurde in Silos gelagert und dann über Förderschnecken in den Dosier- und anschließend in den Reinigungsbereich transportiert. Danach gelangte er zu den Walzenstühlen und anschließend zur Siebung in Plansichtern, um Mehl, Kleie und Rückstände zu trennen. Die Mühle arbeitete im kontinuierlichen Kreislauf, mit Staubabsaugung, Sortierung der Fraktionen und Rückführung der Zwischenprodukte, bis das fertige Mehl gewonnen war.

Dieser Rundgang ist Teil des Katalogs der virtuellen Rundgänge durch das unterirdische Kulturerbe.

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