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Das unterirdische Kraftwerk Corradino

Ein Kraftwerk unter Paola

Unter dem Industriegebiet von Corradino in Paola liegt ein Stollennetz, das zu den bemerkenswertesten industriearchäologischen Stätten Maltas zählt. Die britischen Streitkräfte trieben es in den 1930er Jahren in den Fels, noch vor dem Zweiten Weltkrieg.

Die unterirdische Bauweise war keine Frage der Gestaltung. Ein vergrabenes Kraftwerk hält Bombardierungen stand. Es konnte also im Kriegsfall weiter Strom liefern. Für eine Insel, die zu den am stärksten bombardierten des Krieges werden sollte, erwies sich die Vorsorge als richtig.

Vue d’ensemble de la salle des machines de la centrale souterraine de Corradino, Malte
Der in den Fels getriebene Maschinensaal.

Sechs von zwölf erhaltenen Maschinen

Im Maschinensaal stehen sechs Fullagar-Motoren. Der Name sagt heute kaum noch jemandem etwas. Er bezeichnet dennoch eine der eigenwilligsten Bauformen des Verbrennungsmotors.

Hugh Francis Fullagar (1872-1917) ließ sie zu Beginn des Jahrhunderts patentieren. Das Prinzip: ein Zweitakter mit Gegenkolben, also zwei Kolben je Zylinder, die sich gegenläufig bewegen. Der obere Kolben eines Zylinders ist über diagonale Pleuel mit dem unteren Kolben des Nachbarzylinders verbunden.

Die Anordnung bietet die Vorteile des Junkers-Motors bei weit geringerer mechanischer Komplexität. Fullagar entwarf sie zunächst als Gasmotor für Kraftwerke und gründete die Fullagar Gas Engine Co in Gateshead.

Moteur diesel Fullagar à pistons opposés, centrale souterraine de Corradino, Malte
Ein Fullagar-Gegenkolbenmotor.

Die Werft Cammell Laird in Birkenhead passte ihn anschließend für den Schiffsantrieb an. 1920 wurde die MV Fullagar das erste Hochseeschiff mit vollständig geschweißtem Stahlrumpf. Für den Landeinsatz erwarben English Electric und Carels Frères Lizenzen.

English Electric baute rund hundert Exemplare für die Stromerzeugung, das größte mit 3 500 PS, 1936 nach Bermuda geliefert. Weltweit sind zwölf erhalten. Sechs stehen hier, in zwei benachbarten Kammern zu je drei Maschinen.

Bloc-moteur et bielles d’un Fullagar English Electric, Corradino, Malte
Motorblock und diagonale Pleuel eines Fullagar.
Galerie creusée abritant les groupes électrogènes de Corradino, Malte
Die Stollen mit den Generatorsätzen.

Dampf neben Diesel

Corradino lief nicht allein mit Diesel. Das Kraftwerk verband zwei Verfahren: die Fullagar-Motoren trieben die Generatoren unmittelbar an, während getrennte Kessel zwei Parsons-Dampfturbinen speisten. Eine davon trägt die Jahreszahl 1946.

Der Rest der Anlage fügt sich ein: Transformatoren mit 350 und 300 kVA, Schalträume, Steuerstände, an deren Wänden die Schaltpläne noch lesbar sind. Ein angrenzendes Lager birgt mehrere Stollen voller Ersatzteile.

Tableau de commande et instruments de la centrale de Corradino, Malte
Der Schaltpult mit seinen Instrumenten.
Turbine à vapeur Parsons dans la centrale souterraine de Corradino, Malte
Eine Parsons-Dampfturbine.

1979: der britische Abzug

Malta wurde 1964 unabhängig, doch ein Verteidigungsabkommen hielt die britischen Streitkräfte auf der Insel. Die 1971 angetretene Labour-Regierung handelte den Pachtvertrag neu aus. Er lief bis Ende März 1979, gegen eine stark erhöhte Pacht.

Am 31. März 1979 verließen die letzten britischen Truppen Malta. Zum ersten Mal seit einem Jahrtausend war der Archipel nicht mehr Militärstützpunkt einer fremden Macht. Malta machte den Tag zum Nationalfeiertag: Jum il-Ħelsien, den Tag der Freiheit.

Das Kraftwerk ging an Enemalta über, die 1977 gegründete staatliche Gesellschaft für die Energieversorgung. Corradino erzeugte weiter Strom, doch der Maßstab hatte sich verschoben: 1982 lieferte es 12 Megawatt, die beiden Kraftwerke von Marsa zusammen 115.

Conduites et tuyauteries de la salle des chaudières, Corradino, Malte
Rohrleitungen im Kesselhaus.

Stilllegung, dann Asbest

Der Dampfbetrieb endete 1987. Die Anlage blieb bis 1992 in Betrieb und wurde dann endgültig geschlossen.

Es folgte ein zweites, weniger rühmliches Leben: Die Stollen dienten als Asbestlager. Zwölfhundert Kubikmeter lagerten dort, bis 2012 eine umfassende Räumung stattfand.

An der Oberfläche ist aus dem Kraftwerksgelände ein Sportplatz geworden. Darunter stehen die sechs Fullagar noch immer. Der Gedanke an ein Museum kommt regelmäßig wieder auf.

Galerie verticale et structures métalliques de la centrale de Corradino, Malte
Stahlbau und ein senkrechter Schacht.

Diese Fotografien gehören zum Bestand der Fotografien des unterirdischen Erbes.

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