Es gibt wenige Steinbrüche, in denen sich die Handbewegung des Steinbrechers so deutlich lesen lässt. In Aubigny im Departement Yonne wurde der Stein jahrhundertelang allein mit Armkraft gebrochen, mit zwei eisernen Werkzeugen, ohne je zur Maschine zu greifen. Die Wände tragen noch unversehrt die senkrechten Spuren dieser Arbeit.
Ein Stein von großem Ruf
Aubigny liegt unter der ehemaligen Gemeinde Taingy, heute Les Hauts de Forterre, im Herzen der Hochfläche von Forterre in der Puisaye. Der dort abgebaute jurassische Kalkstein ist weiß, gleichmäßig und feinkörnig: ein Werkstein erster Güte, der sich gut bearbeiten lässt und richtig altert.
Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert ging er an bedeutende Baustellen. Zuerst die Kathedralen von Sens und Auxerre, die in Fuhrweite liegen. Dann Paris, sobald Wasserwege und Eisenbahn verfügbar waren: der Louvre, das Rathaus, die Opéra Garnier, das Conservatoire national des arts et métiers, bis hin zu den Mauerwerkssockeln des Eiffelturms. Ein ländlicher Steinbruch des Yonne hat so das steinerne Gesicht der Hauptstadt genährt.
Die Lanze und die Nadel
Die Technik von Aubigny macht den ganzen Reiz des Ortes aus. Um einen Block zu lösen, öffnet der Steinbrecher zuerst zwei senkrechte Schlitze in der Abbauwand, etwa einen Meter tief. Dafür benutzt er die Lanze: eine schwere, spitze Eisenstange, die zum Ausgleich ihres Gewichts an einer Kette hängt und die er schwingt und immer wieder in dieselbe Spur fallen lässt. Der Takt ist langsam und gleichmäßig, das Ergebnis von erstaunlicher Genauigkeit.
Ist der Block an den Seiten freigelegt, muss er von seinem Lager gelöst werden. Das ist die Aufgabe der Nadel, eines Keils, den man eintreibt, bis der Stein entlang seiner natürlichen Spaltfläche nachgibt. Zwei Werkzeuge also und sonst nichts: kein Sprengstoff, keine Schrämmaschine, keine mechanische Säge. Aus diesem Fehlen der Mechanisierung haben die Stollen von Aubigny Wände von bemerkenswerter Lesbarkeit bewahrt, auf denen jeder Lanzenschlag sichtbar bleibt.
Der vom Abbau hinterlassene Hohlraum bildet weite Säle mit stehen gelassenen Pfeilern, in denen die Deckenhöhen der Mächtigkeit der abgebauten Bank folgen. Die Temperatur hält sich dort ganzjährig bei 12 °C, im Winter wie im Sommer.
Quellen: Unterirdischer Steinbruch von Aubigny; Fremdenverkehrsamt Puisaye-Forterre; Unterlagen über die Kalksteine von Forterre und ihre Verwendung an den Bauwerken von Sens, Auxerre und Paris.
Dieser Rundgang ist Teil des Katalogs der virtuellen Rundgänge durch das unterirdische Erbe.
