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Virtueller Rundgang durch das Mystère des Faluns in Les Perrières

„Kathedralen“ nennt man die unterirdischen Steinbrüche von Les Perrières in Doué-en-Anjou, und das Wort ist nicht zu hoch gegriffen: Säle von fünfzehn bis zwanzig Metern Höhe, durch eine Öffnung zum Himmel hin geöffnet, mit schrägen Wänden wie Gewölbe. Das abgebaute Material ist dabei weder Granit noch harter Kalkstein, sondern ein brüchiges Muschelsediment, der Falun, vor etwa zehn Millionen Jahren auf dem Grund eines tropischen Meeres abgelagert.

Ein Meer über dem Anjou

Im mittleren Miozän, vor etwa 11 bis 15 Millionen Jahren, bedeckt das Meer einen großen Teil des heutigen Loiretals. Es ist flach, bewegt und deutlich wärmer als der heutige Atlantik. Auf seinem Grund sammeln sich Schalentrümmer: Moostierchen, Muscheln, Schnecken, Seeigel und bis hin zu Haizähnen, vermischt mit einer sandigen Grundmasse.

Diese Ablagerung ist der Falun. Er wurde nie verdichtet oder verkittet wie ein gewöhnlicher Kalkstein: er bleibt weich, porös und lässt sich fast von Hand graben. Die Anschnitte der Steinbrüche zeigen prächtige schräge und sich kreuzende Schichtungen, die die Bewegung der Strömungen und die Wanderung der Unterwasserdünen aufzeichnen. Es ist ein großformatig aufgeschlagenes Lehrbuch der Geologie.

Abbauen, ohne den Himmel einstürzen zu lassen

Zwei Verwendungen haben den Abbau angetrieben. Zunächst die Bodenverbesserung: reich an Calciumcarbonat, korrigiert der Falun den sauren Boden des Armorikanischen Massivs, und man hat ihn karrenweise in der ganzen Region ausgebracht. Sodann das Bauen, wobei der Stein für die örtliche Bebauung diente.

Die Technik antwortet auf die Schwäche des Materials. Statt lange flache Stollen aufzufahren, graben die Steinbrecher glockenförmige Säle: man steigt durch einen engen Schacht hinab, weitet nach unten aus und erhält ein sich öffnendes Volumen, dessen Form selbst die Standsicherheit sichert, wie ein durch Wegnahme gewonnenes Gewölbe. Wo der Abbau der Oberfläche zu nahe kam, ließ man Schlusssteine aus festerem Gestein stehen, um den Einsturz zu verhindern. Ihren Höhepunkt erreicht die Tätigkeit im 18. und 19. Jahrhundert.

Das Ergebnis ist eine eindrucksvolle Geometrie, deren Wirkung das von oben durch den Schacht fallende Licht noch verstärkt. Die Anlage von Les Perrières bewahrt davon ein bemerkenswertes Ensemble, das diesen Sälen ihren Beinamen „Kathedralen“ eingetragen hat.

Das Mystère des Faluns

Der eingerichtete Rundweg nutzt genau diese beiden Register, das geologische und das architektonische. Auf etwa einem Kilometer Stollen stellt eine Szenografie des Ateliers Lucie Lom die verschwundene Meereswelt nach: blaue Lichtspiele, Fischschwärme, ein Wasserspiegel, ein Lehrfilm, der Abguss eines Walskeletts, die Vergegenwärtigung der Savanne, die diese Küste säumte.

Es geht dabei nicht nur um Paläontologie. Der Rundweg erzählt auch von den Menschen, die gegraben haben, den perreyeurs, und davon, wie sich ein Landstrich um eine empfindliche Ressource herum organisiert hat. Der Besuch dauert je nach Tempo drei Viertelstunden bis eineinviertel Stunden.

Quellen: Le Mystère des Faluns / Anlage Les Perrières, Doué-en-Anjou; Ressource Planet-Terre der ENS Lyon zu den miozänen Falunen von Doué-la-Fontaine; Saumur Val de Loire Tourisme.

Dieser Rundgang ist Teil des Katalogs der virtuellen Rundgänge durch das unterirdische Erbe.

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