Fast zwei Jahrhunderte lang, von 1790 bis 1986, wurde unter Haut-Martelange Schiefer abgebaut. Hier, nahe der belgischen Grenze, schloss die letzte Schiefergrube Luxemburgs. Ein Teil der alten Abbaukammern ist heute über die Galerie Johanna zugänglich, die über 400 Stufen bis 42 Meter unter die Oberfläche hinabführt. Das Panorama wurde auf dem Metallsteg aufgenommen, der eine dieser Kammern durchquert. Unter dem Gitterrost steht der Boden unter Wasser.
Der Schieferabbau
Die ersten unterirdischen Gruben wurden Ende des 18. Jahrhunderts eröffnet. Mehrere Unternehmen im Besitz einiger weniger Familien teilten sich das Vorkommen; gegen Ende des 19. Jahrhunderts produzierten sie bereits mehr als sechs Millionen Dachschiefer im Jahr. Anfangs wurde das Gestein mit Spitzhacke und Hammer gebrochen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tauchten in einigen Gruben Dampfmaschinen auf, die die Winden, die Pumpen und die Transmissionswellen der Werkstätten antrieben. Druckluftwerkzeuge kamen um die Wende zum 20. Jahrhundert hinzu und erleichterten die Arbeit des Schieferarbeiters ein wenig.
Die Gebrüder Rother
Ab 1890 kaufte eine deutsche Unternehmerfamilie, die Gebrüder Rother, in weniger als zwanzig Jahren sämtliche Schiefergruben von Haut-Martelange und alle Häuser des Dorfes auf. Die Werkstätten wurden modernisiert, und Industrieanlage wie Dorf erhielten eine einheitliche Architektur. Zwei Gründe gaben den Ausschlag für diese Investitionen: ein vielversprechendes Vorkommen und der Anschluss von Haut-Martelange an den Jhangeli, die Schmalspurbahn, über die die fertigen Schiefer ausgeführt und die Rohstoffe angeliefert wurden.
Um 1900 waren auf dem Gelände 600 Arbeiter beschäftigt. Vier Jahre später besaß Haut-Martelange ein eigenes Kraftwerk, das mit Dampfmaschinen Strom erzeugte.
Von den Kriegen bis zur Schließung
Im Ersten Weltkrieg stufte die Besatzungsmacht das Unternehmen als kriegswichtig ein, und der Abbau ging weiter. Ab den 1930er-Jahren stagnierte der Absatz mit der weltweiten Rezession. Im Zweiten Weltkrieg beschäftigten einige Werkstätten sogar mehr Arbeiter: Auf diese Weise bewahrte die Firmenleitung Luxemburger vor den deutschen Arbeitslagern. Zwischen 1946 und 1948 sind einige deutsche Kriegsgefangene als Arbeiter in den Schiefergruben verzeichnet.
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren Abbau und Verarbeitung des Schiefers der zweitgrößte Industriezweig des Landes. Nach 1960 wurde der Niedergang deutlich: Neue Bedachungsmaterialien und billig importierter Schiefer setzten sich gegen die heimische Produktion durch. 1986 stellte die Firma Ardoisières de Haut-Martelange jede Tätigkeit ein.
Die Galerie Johanna
Das Gelände geriet danach in Vergessenheit. 1992 gründeten Bewohner der Nachbardörfer den Verein Les Amis de l’Ardoise, um seine Vergangenheit wieder lebendig zu machen. 1993 kaufte die Gemeinde Rambrouch den größten Teil des Dorfes samt Industriegebäuden und unterirdischen Kammern. Der luxemburgische Staat erwarb das Gelände 2003 und nahm es sofort in das Zusatzinventar der geschützten Denkmäler auf. Seit 2019 wird das Museum vom Verein Musée de l’Ardoise betrieben, in dem Staat, Gemeinde und Les Amis de l’Ardoise vertreten sind.
2018 stellte die Regierung 7,1 Millionen Euro bereit, um das Museum täglich zu öffnen und die unterirdischen Kammern auszubauen. Die Arbeiten führte der Service des sites et monuments nationaux aus; 2022 wurde der Rundweg für das Publikum geöffnet. Er führt durch sieben Kammern der Galerie Johanna. Archivfotos werden auf die Wände projiziert, und in Kammer 18 wurde ein Hängesteg eingebaut. Die Temperatur liegt das ganze Jahr über bei 9 °C.
Der Abstieg muss mindestens vierundzwanzig Stunden im Voraus gebucht werden; Kinder sind ab vier Jahren zugelassen.
Die Schieferlandschaft
Über Tage umfasst das Gelände acht Hektar und 22 Gebäude, darunter die Werkstätten, das Haus des Eigentümers und die Verwaltungsgebäude. Die kleine Bahn, die früher die Schieferblöcke zu den Werkstätten brachte, wurde instand gesetzt und fährt heute mit den Besuchern über das Gelände.
Im Mai 2026 haben das Museum und die Gemeinde Rambrouch mit Unterstützung des Kulturministers die Bewerbung der „Schieferlandschaft Haut-Martelange“ um die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe offiziell gestartet. Das Dossier orientiert sich unter anderem an der Schieferlandschaft im Nordwesten von Wales.
Quellen: Musée de l’Ardoise, Geschichte des Geländes (ardoise.lu); Visit Luxembourg, „The Slate Museum: learning and entertainment“; Paperjam, „Visite à -42 mètres au Musée de l’Ardoise“, 5. März 2022; La DH, „Le Musée de l’ardoise au patrimoine de l’UNESCO ?“, 4. Mai 2026.
Dieser Rundgang ist Teil des Katalogs der virtuellen Rundgänge des unterirdischen Kulturerbes.