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Virtueller Rundgang durch die Unterirdischen der Zitadelle von Cambrai

Unter der Zitadelle von Cambrai verläuft ein Labyrinth von sieben Kilometern Stollen. Sie dienten nie dem Verkehr noch der Lagerung: sie wurden gegraben, um zu horchen. In einer Festung des 16. Jahrhunderts kam der gefürchtetste Angriff von unten, und man konnte sich seiner nur erwehren, indem man tiefer hinabstieg als der Angreifer.

Die Zitadelle Karls V.

1543 beschließt Kaiser Karl V., in Cambrai eine Zitadelle zu errichten. Der Einsatz ist zweifach: die Grenze gegenüber dem Königreich Frankreich zu stärken und eine Bischofsstadt im Zaum zu halten, die eigenständig bleiben wollte. Eine Zitadelle überwacht in dieser Zeit ihre eigenen Einwohner ebenso sehr wie den äußeren Feind.

Die Planung wird dem italienischen Ingenieur Donato de‘ Boni anvertraut, der die Grundsätze der sich damals durchsetzenden Bastionärbefestigung anwendet: ein unregelmäßiges Viereck, an den Ecken durch vier Bastionen verstärkt, dem Gelände des Mont des Bœufs angepasst. Die Mauern werden niedriger und dicker, um die Artillerie aufzunehmen, die toten Winkel verschwinden, und die Gräben werden zum eigentlichen Schlachtfeld.

Das Bauwerk erwirbt einen Ruf der Unbezwingbarkeit, der bis zur Belagerung durch Ludwig XIV. im Jahr 1677 hält. Unter französische Herrschaft gelangt, wird der Platz noch verstärkt: die Bastionsflanken werden vergrößert, die Gräben verbreitert und das unterirdische Netz entsprechend erweitert.

Den Feind graben hören

Der Belagerungskrieg entscheidet sich unter der Erde. Der Belagerer treibt einen Minenstollen unter eine Bastion, bringt dort eine Pulverladung ein und sprengt den Wall, um eine Bresche zu öffnen. Die einzige Abwehr besteht darin, ihn vorher abzufangen: das ist die Gegenmine.

Das Prinzip ist akustisch. Von den Gräben aus graben die Verteidiger ein Netz steingewölbter Stollen, mit Schießscharten und Luftlöchern durchbrochen, das unter den Glacis ausstrahlt. Horchposten lösen einander dort schweigend ab, das Ohr an der Wand oder an einer gespannten Trommel, um das dumpfe und gleichmäßige Geräusch der gegnerischen Spitzhacken auszumachen. Sind Richtung und Entfernung geschätzt, gräbt man einen Zweig zum feindlichen Stollen und bringt eine Ladung zur Wirkung, den Minenherd, um ihn einstürzen zu lassen, bevor er sein Ziel erreicht.

Durch aufeinanderfolgende Erweiterungen über die Jahrhunderte hat dieses Netz schließlich ein regelrechtes Labyrinth von fast sieben Kilometern gebildet. Es ist eines der wenigen Gegenminen-Ensembles dieses Umfangs, die in Frankreich öffentlich zugänglich sind. Zu denselben Techniken im Ersten Weltkrieg siehe auch unsere Seite Minen und Gegenminen.

Was davon bleibt

Die Zitadelle wird am Ende des 19. Jahrhunderts geschleift, als die Bastionärbefestigung veraltet und die Städte ihre Grundstücke zurückfordern. Erhalten bleiben die Porte Royale, der monumentale Eingang, das Zeughaus, die Pulvermagazine und vor allem das gesamte unterirdische Netz, das niemanden interessierte und deshalb die Zeit unbeschadet überdauert hat.

Cambrai besitzt im Übrigen einen weit größeren Untergrund als nur die Zitadelle: mittelalterliche Keller, Zufluchtsorte und Schutzräume, die während der beiden Weltkriege genutzt wurden, in einer Stadt, die 1914-1918 in vorderster Linie lag; die Schlacht von Cambrai im November 1917 erlebte dort den ersten massierten Einsatz von Panzern.

Quellen: Fremdenverkehrsamt des Cambrésis / Destination Cambrésis; Ville d’art et d’histoire, Dossier „La citadelle, Cambrai“; Stadt Cambrai.

Dieser Rundgang ist Teil des Katalogs der virtuellen Rundgänge durch das unterirdische Erbe.

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